Alarmstufe rot

Rathaus in rotem Licht, Night of lights

Ein Radiomoderator sagte am Montag: „Wenn Sie heute Abend viele rote Gebäude sehen, dann ist das keine Meisterfeier für den FC Bayern.“ Auch wenn der Fußballmeister seine Münchener Arena bei Heimspielen in rotes Licht taucht, so hatte die deutschlandweite Aktion einen ernsten Hintergrund. „Es ist ein stiller Hilferuf“, sagte der Bruchhausen-Vilsener Veranstaltungstechniker Markus Meyer. Zusammen mit den freiberuflichen Kollegen Emil Richters, Felix Grampp und Timo Wohlfromm beteiligten sie sich an der Aktion „Night of Lights“. Laut der gleichnamigen Homepage wurden bundesweit 9137 Gebäude von 8365 Firmen in rotes Licht getaucht (Stand: 23.6.2020, 17 Uhr).

Der Veranstaltungs-Branche steht das Wasser bis zum Hals. Dazu gehören unter anderem Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagentur und Künstler. Aufgrund der Corona-Pandemie sind ihnen quasi über Nacht alle Aufträge weggebrochen, angefangen beim lokalen Konzert wie Musik im Park bis hin zu den großen Events, beispielsweise Hurricane oder Wacken Open Air (WOA).

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Um die Lage zu visualisieren, wurden markante Gebäude in rotes Licht gehüllt. In der Samtgemeinde waren dies die Gebäude für Veranstaltungen (Mensa und Jugendhaus), das Denkmal als Symbol für den ausgefallenen Brokser Markt und das Rathaus für die Politik, erklärte Meyer. Auch Gaststätten beteiligten sich an der Aktion und ließen ihre Häuser rot anstrahlen.

Am Denkmal kamen Radfahrer und Abendspaziergänger vorbei. Sie zückten ihr Smartphone, um ein Foto zu machen. Dazu gab es ein kurzes Info-Gespräch. Anders war die Situation vor dem Rathaus. Emil Richters: „Viele Autofahrer sind vom Gas gegangen. Wenn sie zu Hause nachschauen, was das für eine Aktion war, war es ein gutes Zeichen.“

Ohne staatliche Hilfen überlebt die Branche keine 100 Tage mehr

Firma LK in einer Mitteilung

Zum Hintergrund: Initiiert hat die Aktion „Night of light“ die Essener Firma LK. Ziel ist es, Firmenpleiten abzuwenden. „Denn die aktuellen Hilfsprogramme für die Veranstaltungswirtschaft bestehen im Wesentlichen aus Kreditprogrammen, die jedoch eine erneute Zahlungsunfähigkeit in Verbindung mit einer Überschuldung zur Folge haben werden“, heißt es in einer Mitteilung der LK. Und weiter: „Bundesweites Ziel ist es, einen Dialog mit Politik zu führen, um Lösungen zu finden.“

Veranstalter sehen rot

Doch wie könnte eine lokale Unterstützung aussehen? Meyer und Richters sind sich einig: Wenn es wieder möglich sein sollte, sollen Männer und Frauen häufiger zu Konzerten gehen. Zusammen mit mehr Veranstaltungen könnten einige Ausfälle kompensiert werden. Als dritten Punkt fordern sie, dass die Entscheidungsgewalt für kleinere Veranstaltungen in die Hände von örtlichen Behörden gehört und nicht auf die Landesebene. Meint: Eine komplett abgesagte Veranstaltungsreihe wie Musik im Park hätte durchaus im Juli und August stattfinden können. Viele Besucher machen ein Picknick oder kommen mit dem Rad. Der Kurpark verfügt über ausreichend Fläche, um Abstand zu halten. Das Angebot an Essen und Trinken hätte vermutlich ausfallen oder anders organisiert werden müssen. „Aber Stummer hat es mit seinem Fahrrad-Kiosk auf dem Marktplatz auch hinbekommen“, so Meyer.

Doch die Praxis sieht anders aus. Für viele betroffene Firmen sind die Gelder aus dem aktuellen Hilfspaket längst aufgebraucht. Ab Juli greift dann das Milliarden-Hilfsprogramm. Ob und wie Freiberufler davon partizipieren, ist noch völlig offen. Eines ist klar: Sollten keine oder nur geringe Hilfen fließen, „dann wird ein Großteil der Branche keine weiteren 100 Tage überleben“, so die Befürchtung der Firma LK.

Sollte die Branche überleben, dann könnte es eventuell im kommenden Jahr eine vergleichbare Aktion geben. Dann werden Sportgebäude in grünes und weißes Licht gehüllt – als Zeichen dafür, dass Werder Bremen neuer Deutscher Meister ist, oder immerhin den Aufstieg geschafft hat.  

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